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Transparenz im WWW durch Schreibstil


Bei Transparenz denke ich unweigerlich an Offenlegung zur Vermeidung von Täuschung. Beispielsweise Inhaltsstoffe in Lebensmitteln oder was mit Spenden passiert. Transparenz spielt aber auch beim Publizieren im Internet eine wichtige Rolle.

Formale Transparenz zum Contentanbieter

Die gezielte Täuschung

Mehr scheinen, als sein. Mit etwas Geschick für Design und entsprechend formulierten Texten ist es im WWW einfach und kostengünstig, den Eindruck zu erwecken, man sei gar nicht eine einzelne Person.

Unabsichtliche Täuschung

Häufig begegnet einem die unabsichtliche Täuschung bei Contentanbietern, die bei der Formulierung für Anbieterkennzeichnung (Impressum), Datenschutzerklärung und AGB auf fremde Texte bzw. Vorlagen per C&P zurück greifen.
Solche Texte sind in der Regel pauschal für Firmen oder Organisationen aufgesetzt und nicht für eine Einzelperson.

Ich, ich, ich!

Das andere Extrem gegenüber der Anbieterverschleierung, ist eine übermäßige Fixierung auf die eigene Person (Egotismus).

Wahrscheinlich fällt besonders älteren Lesern unangenehm auf, wenn Briefe, eMails und Artikel direkt mit "Ich ..." beginnen. Hauptperson ist offenbar der Autor. Um Leser scheint er sich nicht zu scheren.

Wenn ich meine Texte vor der Veröffentlichung durchlese, ertappe ich mich allerdings auch selbst. dass zu viele Absätze mit "Ich ..." beginnen. Dann stelle ich einige Sätze ein wenig um, falls es passt. Natürlich sollte der Text dadurch nicht künstlich wirken oder umständlich zu lesen sein.

Solche Ich-Contentanbieter erheben sich gerne über andere und verzichten geflissentlich, Quellen und Tippgeber zu erwähnen, geschweige denn, auf sie zu verlinken.

Täuschung durch Abstraktion

Texte können so unpersönlich abgefasst werden, wie für eine wissenschaftliche Arbeit oder eine Zeitung.

Solche Beiträge wirken (leider genau wie in manchen Zeitungen) deshalb neutral, weil Wertung selbstbewusst oder manipulativ als Fakt formuliert, anstatt klar als Meinung geäußert wird.

"Etwas ist soundso"
"Mir scheint, dass etwas soundso ist."

Jahrelange Beobachtung lässt mich vermuten, dass vermeintlich neutrale Texte von vielen Usern sogar bevorzugt werden.
Man erspart sich das eigene Nachdenken.
Die vermeintliche Kompetenz wird nicht hinterfragt, falls sich kein deutlicher innerer Widerspruch regt.
Es scheint angenehmer zu sein, den Guru zu feiern, als selbst nachzudenken und eigene Schlüsse zu ziehen.

Gefahr der "Neutralität"

Persönlicher Schreibstil

Obwohl ich diese Technik, unpersönlich zu formulieren, natürlich beherrsche, verzichte ich aus Respekt gegenüber Mitmenschen.

Der Preis für persönliche Texte ist häufig: geringe Wertschätzung.
Wer nicht gerne liest, mag vielleicht keine Meinungen kennenlernen.
Allenfalls möchte er Fakten, Fakten, Fakten.

Abgesehen von weniger Beachtung, kostet es mehr Überwindung, die eigene Meinung als solche zu publizieren.
Besonders, wenn sie vom Mainstream abweicht. Für mich kein ausreichender Grund, Illeismus bzw. Pluralis Majestatis zu verwenden.

Wenn ich meine Gedanken und Erfahrungen mitteile, muss ich mit Kritik gut umgehen können.
Wer meinen Text kritisiert, sieht mich ja nicht vor sich.
Ich bin nicht als Person gemeint.
Mit einer reflexartigen Abwehrhaltung verhindere ich womöglich meine Chance zur Weiterentwicklung.

Aussicht

Das WWW ist - im Gegensatz zu den traditionellen Medien - keine Einbahnstraße vom Sender zum Empfänger.

Ich wünsche mir - bzw. uns allen, dass mehr Menschen ihre eigenen Gedanken mitteilen und wir zusammen das Netz bevölkern. Wir könnten z.B. für Probleme sicher kreativere Lösungen entwickeln, als solche, die wir momentan zu sehen bekommen.

Aktuell ist mir noch viel zu viel Gleichschaltung und Kommerz im Internet. Das können wir ändern. Oder was meinst Du?